Gedichte und Texte für jeden Anlass...
Die Weihnachtsfeier
Was hat den Balsam deiner Wunde
Und deinen Schmerzen Ruh’ gebracht?
Es ist die süße Friedenskunde
Aus einer längst vergangnen Nacht.

O Nacht des Mitleids und der Güte,
Die auf Judäa niedersank,
Als einst der Menschheit sieche Blüte
Den frischen Tau des Himmels trank!

O Weihnacht! Weihnacht, höchste Feier,
Wir fassen ihre Wonne nicht;
Sie hüllt in ihre heil’gen Schleier
Das heiligste Geheimnis dicht.

Denn zöge jene Nacht die Decken
Vom Abgrund uns der Liebe auf,
Wir stürben vor entzücktem Schrecken,
Eh’ wir vollbracht den Erdenlauf.

Der Menschheit schmachtendes Begehren
Nach Gott, die Sehnsucht, tief und bang,
Die sich ergoss in heißen Zähren,
die als Gebet zum Himmel rang;

Die Sehnsucht, die so lange Tage
Nach Gotte hier auf Erden ging
Als Träne, Lied, Gebet und Klage:
Sie ward Maria - und empfing.

Die Sehnsucht, die zum Himmel lauschte
Nach dem Erlöser je und je,
Die aus Prophetenherzen rauschte
In das verlassne Erdenweh.

Das Paradies war uns verloren,
Uns blieb die Sünde, und das Grab:
Da hat die Jungfrau ihn geboren,
Der das Verlorne wiedergab.

Der nur geliebt und nie gesündigt,
Versöhnung unsrer Schuld erwarb,
Erloschne Sonnen angezündet,
Als er für uns am Kreuze starb.

Der Hohepriester ist gekommen,
Der lächelnd weiht sein eignes Blut;
Es ist uns der Prophet gekommen,
Der König mit dem Dornenhut!
 
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