Gedichte und Texte für jeden Anlass...
Auf dem Weg nach Schmarsow
Auf dem Weg nach Schmarsow

Stille lastet schwer,
über der Landschaft.
Ab und an schreit ein Grashalm,
auf der taubenetzten Wiese.

Die Trauerweide nickt wissend
und taucht dabei wippend
ihre Zweige in den Bach,
sie macht Morgentoilette.

Ich gehe auf Schmarsow zu,
Sand knirscht unter meinen neuen Schuhen,
die schmerzhaft, sich
in meine Fersen beissen.

Ein mutiges Fröschlein, nicht grösser,
als eine zwei Euro Münze,
kreuzt mutig meinen Weg,
kreuzt mutig unter meinen Schuhen hindurch,
nicht ahnend wie nahe am Tode vorbei
er gerade gehüpft ist.

Vor mir, taucht hinter der Kurve
der alte Milchwagen auf,
der rostige,
der den Krähen als Tränke dient
und den Wildtauben als Landeplatz.

Wildtauben?
Die Kropftaube und der Dragoner,
und die beiden Weissen
sehen eher aus,
als wären sie
aus dem Schlag meines Nachbarn.

Der Weg ist lang,
zu fuss mit neuen Schuhen,
bin ich ihn sonst doch nur
mit dem Auto entlang gerast,
in zwei Minuten.

Nun tragen mich meine Füsse
und die morgendliche Stille
berührt mich,
auf eigentümliche Weise.

Ich habe die letzte Kurve erreicht,
sehe schon das Wasserwerk,
als Schmiddels Trecker mir
scheppernd und holpernd entgegenrappelt.

Beide haben schon bessere Tage gesehen.
Er blinkt mich mit dem Fernlicht an,
und seine Hupe beisst mir giftig ins Ohr.
Er hält neben mir.

„Frühschoppen fällt aus heut morgen!"
„Soll ich dich nach Mieden mitnehmen?"

Ich schüttele mit dem Kopf.
„Nein, ich gehe noch
etwas spazieren,
die Stille hört sich heute
so gut an."

Er sieht mich mit grossen Glubschaugen an, rümpft die Nase und schreit kopfschüttelnd: „Die spinnen, die Hamburger!",
und zeigt mir einen Vogel.

Dann legt er mit heftigem Knirschen
einen Gang ein, zuckt mit den Achseln
und schüttelt sich davon,
mit seinem stampfenden Diesel.

Ich nehme den Weg zur Autobahn,
über die noch feuchten Wiesen.
Sie hört sich an wie Meeresrauschen,
wie ferne Brandung.

Das kleine Band der Brücke,
das dünne,
filigran und endlos bis zum Horizont,
wächst mit jedem Schritt höher,
bis über meinen Kopf.

Schon bald ragen die Säulen
der Talbrücke so hoch auf,
dass ich den Kopf
in den Nacken legen muss,
um das Geländer zu erspähen.

Das Rauschen des Verkehrs
wird zum stürmischen Toben.
Dann tauche ich in den Brückenschatten
und die Stille übertönt alle Geräusche.

Nur ein feines, tiefes Trampeln bleibt,
von den Rädern die sich dort oben,
in den Asphalt beissen,
auf dem langen Weg nach Norden,

nur ab und an übertönt
von den grossen Lastern,
die die kleinen Autos jagen,
oder von ihnen umschwirrt werden,
und von meinem Heimweh nach Hamburg.

Ich gehe unter der Autobahn entlang.
An der Uecker angekommen,
trete ich unter der Brücke heraus,
und nehme den Weg an ihrem Ufer entlang.

Je weiter ich gehe,
desto mehr weicht der Autobahnlärm
dem Plätschern des Flusses,
und springende Fische hinterlassen Spuren, die als konzentrische Ringe
das Ufer erreichen.

Eine Schnepfe
fühlt sich von mir gestört,
meckert mich tschilpend an,
um im nächsten Moment,
ob ihrer Keckheit selbst erschrocken,
die Flucht vor mir
in die Luft anzutreten.

Ein Pulk Raben, oder Krähen,
die dies beobachtet hatten,
krähten sich blinzelnd zu,
so,als wollten sie
die Kapriolen der Schnepfe
verhöhnen.

Zwei verwegene Padler im Kajak
kommen mir mit der Strömung entgegen,
kaum einmal ein Blatt eintauchend,
um die Richtung zu kontrollieren.

Sie nicken mir zu und lächeln,
ich winke zurück und versuche
mir vorzustellen wie sie wohl
das Wehr weiter oben überwunden haben.

Schon kommt Nieden
wieder in Sicht,
der Neubau der Brücke.
Die langen Kräne wiegen sich
in der frischen Brise,
und ich stapfe heimwärts.

Ich freue mich
auf meinen knisternden Herd,
auf dem ich mir
einen Kaffee kochen werde,
um dann seine Temperatur
mit Milch und Whisky,
auf ein trinkbares Mass
zu reduzieren.

Es ist schön,
das der Frühschoppen ausgefallen ist,
ich habe die schreiende Stille genossen,
die Wege, auf denen mich sonst,
Frau oder Freund begleitet hatten.


 
Dieses Werk unterliegt dem Urheberrecht von Uwe Schmidt! Jegliches Kopieren und Weiterverwenden OHNE explizite Zustimmung des Autors ist verboten! Bei Zuwiderhandlungen muss mit rechtlichen Konsequenzen gerechnet werden!
 
Sie müssen angemeldet sein, um bewerten zu können.
JETZT anmelden
Es wurde noch nicht abgestimmt!

Schlagwörter

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.
JETZT anmelden
Kommentare:
#{username} schrieb am #{date} um #{time}
 
#{text}
Bisher keine Kommentare vorhanden