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Das Salvatorbrünnlein bei Gmünd
Auf dem Salvatorberge, einem sehr besuchten Wallfahrtsorte bei Gmünd, bricht aus einem Felsen hervor eine klare Quelle mit sehr frischem Wasser, welches noch jetzt von allen Leuten aus der Umgegend, die darin wallfahrten, viel getrunken wird. Doch soll der Brunnen früher weit gesünder gewesen sein, ja wundertätig auf die Trinkenden gewirkt haben. Die Ursache, warum es jetzt nicht mehr so ist, erzählt die Sage wie folgt:

Ein reicher Kaufmann hatte einst von der Quelle, die, wie so viele andere, von einer Nixe bewohnt ist, gehört, u. da er selbst sehr an den Füßen litt, beschloß er, sein Heil mit dem Brunnen zu versuchen. Er kam zu dem Zwecke weither, trank das Wasser und badete darin, aber lange ohne Erfolg. Endlich kam der Kaufmann auf den Gedanken, sich mit Geld bei der Nixe die Gesundheit zu erkaufen. Er bot ihr also durch einen Brief, den er in eine Kapsel verschlossen in den Brunnen warf, eine bedeutende Summe an. Wie er nun wieder an den Brunnen kam übergab ihm ein Bettler einen Brief, den ihm, wie er sagte, eine vornehme Dame gegeben hatte. Die Nixe erbot sich darin, das Übel sogleich zu heben, sobald der Kranke das versprochene Geld dem nahen Kloster Lorch übermachen wolle. Der Kaufmann ließ das Versprechen der Nixe auf demselben Weg zukommen, wie seinen ersten Brief, und siehe da, sogleich war er heil. Aber der Herr war ebenso geizig, als reich; er dachte also nicht mehr an die Erfüllung seines Versprechens; öfters wurde er noch von der Nixe gewarnt, er achtete nicht darauf. Da, ehe er die Gegend verließ, badete er noch einmal in der Quelle u. sogleich hatte er sein Übel wieder an sich. Er fing jetzt zwar die Kur noch einmal an, machte der Nixe noch einmal seine früheren Anerbietungen; aber da sie ihn jetzt hatte kennen lernen, erhielt er keine Antwort und sein Übel blieb ihm. Seither hat das Wasser vom Salvatorbrünnlein überhaupt seine Wunderkraft verloren.
 
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